„Oh, Kanada", ein Traum wird Wirklichkeit
oder 3500 Km durch Ontario
29. September 2004
Zwischen „Oh, Kanada „und „ Ade, nun mein lieb Heimatland„ mit Kopf-Hals-Magen-Kreuz- und Nierenschmerzen, „flottem Otto" und Flattermann, Koffer auf und wieder zu, wo ist dies, und hab ich das auch eingepackt, rennen und schleichen die Stunden bis zum Abend.
30. September 2004
3.00 Uhr Weckerklingeln, Telefonläuten: „Bist du wach? Ich bin, bis gleich."
4.00 Uhr Der Bus ist pünktlich, wir auch, nur Bärbel wird persönlich abgeholt.
11.10 Uhr Tegel. Zum ersten mal im Flugzeug, Puls trotzdem normal, und ich passe doch in den Sitz und das Klo ist groß genug.
Fliegen ist schön, nach Kanada fliegen noch schöner.
Flughöhe 11600 m. Beginn des Flugprogramms. Wasser und Snacks, Händewaschen mit vorgewärmten Kölnischwassertüchern. Mittagessen: Schwammerln mit Knödeln, gemischten Salat, Laugenbrezel mit Butter und Camembert, Apfelstrudel und Kaffee, Musikhören oder Filmprogramm, Klo-Gänge, ein bisschen schlafen, Besuch bei den anderen, weil die Lufthansa unsere Gruppenreservierung über das ganze Flugzeug verteilt hat. Immer schön in die Lücken. Pardon, in der Business-Class ist natürlich keiner von uns. Ich sitze zwischen Inge und, wie sich später herausstellt, einem Kanadier. Rolf ganz allein mit 3 Fremden vor uns. Schon wieder Händewaschen und Pizza „Mexico" zum Abendbrot.
Die Flugzeit von 8 Std. reicht gerade aus, um alles zu erledigen, da setzen wir auch schon butterweich auf. Kilometerlanger Bustransfer zum Hauptgebäude, auschecken, Zoll, Koffersuchen, dann Begrüßung durch Elke, die Chefin des Reiseunternehmens. Nun nur noch 4 Std. Busfahrt mit Denise zum Hotel. An einem Tag ist dies alles nicht zu schaffen, darum verlängern wir diesen einen Tag um 6 Std.
Dann um 21.15 Uhr am Ziel. Das Hotel „Gananoque Inn" direkt am Sankt-Lorenz-Strom. Bezaubernde Atmosphäre, alter Stil. Abendessen: Tomatensuppe, gegrillte Filets mit fruchtigsüßem Reis (Rosinen, Cranberries?), vorzüglich, Herrentorte, Kaffee.
Kofferauspacken soweit nötig und endlich schlafen. Ortszeit 22.30, zu Hause stehen die ersten auf.
01. Oktober 2004
Fest, traumlos und still geschlafen.
Der Tag in Kanada beginnt mit Backkartoffeln, Rührei und Speck, kross gebraten, kleinen gebratenen Würstchen, sehr luftigem Weißbrot, gesalzener Butter, Marmelade und Kuchen. Ich sag's ja, Kanada liegt mir.
Gananoque ade, es geht aufs Wasser, den Sankt-Lorenz-Strom hinauf, oder vielleicht auch hinunter, entlang der 1000 Inseln. Alle sehen wir nicht, aber so 200 sind es wohl, von winzig klein mit Platz für 10 Möwen bis unüberschaubar. Wir umrunden das Boldt-Castle, legen in Ivy-Lea an. Weiter geht es mit dem Bus über die 1000-Insel-Brücke auf die Insel Hill. Vom Aussichtsturm Skydeck fantastische Aussicht auf die Insellandschaft. Unten landen wir im Souvenirladen, erste Mitbringsel werden gekauft. Wieder auf dem Highway sind es nur noch 3 Std. bis nach Montreal.
Im Hotel kleine Pause, dann fahren wir auch nur knappe 2 Std., zum Abendessen im „Kanadischen Sugar Bush" in Chez Dany. Überraschung: mit uns kommt der Deutsch-Kanadischer-Männerchor aus Kitchener an. Gemeinsames Abendessen mit viel kanadischer Musik zum Mitmachen. Zwischen Musik und Spaß werden die Gänge serviert: Bohnensuppe mit Ahornrauchschinken, Fleisch, Backkartoffeln dicke Bohnen mit einer köstlichen Soße, Brot mit Ahornsirup, und Plinsen mit viel Ahornsirup. Nach dem Abendessen ein erstes Abtasten beider Chöre, jeder 3-4 Lieder, mehr gibt es morgen zu hören. Schnell noch Ahornsirup gekauft, hier ist der Preis günstig. Vor dem Einsteigen bekommen wir noch einen Betthüpfer, wie kann es anders sein: ein Minilolly aus eingedicktem Ahornsirup, auf Eis gekühlt, vor unseren Augen zubereitet.
02. Oktober 2004
Auch dieser Tag beginnt, wie alle folgenden mit einem kanadischen Frühstück. Stadtrundfahrt. Ein netter junger Mann erklärt uns mit angenehmer Stimme seine Stadt. Die ältesten Gebäude, den höchsten Berg (Königsberg), der der Stadt den Namen gab, den größten unterirdischen Campingplatz - wir fahren an einem Friedhof vorbei - an einem anderen Tag erläutert uns Elke: "In Kanada gibt es auf dem Friedhof keine begrenzte Liegezeit, wenn du hier liegst, bleibst du hier dein Leben lang."
In Montreal halten wir an der Basilika Notre Dame. Im Inneren stockt uns der Atem. Wir sind benommen von der Größe: 2000 Personen auf den Emporen, 1500 im Hauptschiff finden gleichzeitig einen Sitzplatz, von der Höhe: ein gewaltiger Sternenhimmel aus Blattgold auf blauem Untergrund überspannt den Raum, von der Schönheit: in Altarwänden und der Kanzel sind verschiedene edle Hölzer verarbeitet, vorwiegend Birke, Ahorn, Nussbaum und Kirsche aus den Wäldern Kanadas. Hinter der Hauptkirche eine Hochzeitskapelle, durch einen Amokläufer in Brandt gesteckt, neu aufgebaut. Der Altar ein fantastisches Holzbildnis, durchscheinender Holzbaldachin, unheimlich beeindruckend.
Dann Halt in der Untergrundstadt, gebaut, damit das Leben im Winter nicht zum Erliegen kommt. Montreal ist die kälteste Großstadt Kanadas -30°C normal. Bis zu 5 Etagen geht es unter die Erde, ein riesiges Kaufhaus, mit Läden Restaurants, Ruheinseln mit Wasserfontänen über 3-4 Stockwerke Verbindungstunnel, Metro-Stationen, bloß die Gruppe nicht verlieren, hier findest du nie wieder zum Bus zurück. Wieder oben geht es kurz über die Formel 1-Strecke hin zum Olympia-Stadion. Die Kanadier zahlen heute noch ihre Schulden von Olympia ab. Die ehemalige Radsporthalle ist heute der Bio-Dom. Vor der Halle studieren wir die Namen der DDR-Olympiasieger von Montreal, sieh mal an, der auch, na klar, die war es auch. In der Halle wandern wir in 2 Std. vom Tropischen Regenwald über gemäßigte Zone bis hin zur Antarktis und alles ist der Kontinent Amerika.
Am Abend dann unser erstes großes Konzert, gemeinsam mit dem Deutsch-Kanadischen Montreal Chor, der sein 50-jähriges Jubiläum feiert, dem Frenchkanadien Männerchor und dem Concordia Kittchens Chor, unsere „alten Bekannten" vom Abend vorher, die mit uns im gleichen Hotel wohnen. Unser Auftritt wird mit Standing Ovation belohnt, wo gab es das schon mal? Wir sind die Brücke zur alten Heimat.
03. Oktober 2004
Montreal bleibt hinter uns, es geht in die Berglandschaft. Begierige Blicke- Suche nach dem Indian-Summer, der hält sich noch zurück. „Wartet, bis ihr in den Algonquin- Park kommt, euch werden die Augen übergehen", versprechen uns die Kitchener.
In Harrington erste Anzeichen. Der Wald trägt ein rotes Gespinst. In der Auberge „Val Carroll" werden wir erwartet. Hier singen wir auf einer kleinen Freilichtbühne bei herrlichem Sonnenwetter und kühlem Wind vor einer entzückenden Kulisse mit rotgrünem Wald und Rehen. Die Zuschauer, viele sprechen Deutsch, sind aus der nahen Umgebung bis zu 3 Std. angereist. Sie haben von unserem Auftritt in der Presse gelesen und sind begeistert. Für ein Ehepaar zum 40. Hochzeitstag gibt es ein besonderes Ständchen. Ja, wir treffen sogar eine ehemalige Sassnitzerin die mit Kurtis Frau zusammen bei Walter Kröger gearbeitet hat. Nachdem Konzert geht es weiter nach Ottawa. Dieter, unser Reiseleiter ist hier zu Hause. Er verlässt uns bis zum nächsten Morgen.
04. Oktober 2004
Auf dem Weg zu Dietrich kommen wir durch die Straße, die von den Reichen bewohnt wird und durch das Botschaftsviertel. Vor einem Haus mit deutscher Flagge und einem kleinen reizvollen Fuhrpark vor der Garage halten wir an. Die Deutsche Botschaft? Weit gefehlt. Es ist Dietrichs Haus und sein Empfang für uns. Wir werden von ihm und seiner Frau Gerti eingeladen zum Frühschoppen, also alle 40 Mann rein ins Haus. Platz ist in der kleinsten Hütte. Kanadischer Whisky schmeckt weicher als der Schottische. Ein Bier, einen Schluck und noch einen, ein Dankesständchen, vor der Tür, die Nachbarin putzt Fenster, bis die Scheiben wohl nur noch hauchdünn sind, weiter geht's, die Zeit sitzt uns im Nacken. Stadtrundfahrt durch Ottawa. Dietrich kennt seine Stadt, hat sie wachsen und werden sehen, ist selbst geworden. Besonders beeindruckend das Museum für Civilisation, weit geschwungene Bögen, keine Ecken. Der Architekt, ein Indianer hat sie der Prärie nachempfunden
Herrliche Kulisse am anderen Ufer des Ottawa- Flusses Parlamentsgebäude und andere hist. Gebäude. Ottawa wirkt viel familiärer als Montreal und Toronto. Fotostopp in einem Park oberhalb der Stadt, filmreife Kulisse um uns herum springen schwarze Eichhörnchen. Fahrt in die Altstadt. Zeit zum Einkauf in einer Passage
Am Abend Essen im Lindenhof, einzige deutsche Gaststätte in Ottawa. Besondere Überraschung: der Auftritt des Männerchores Ottawa, hier ist Dietrich Chorvorsitzender, als Nonnenchor, leider versagt die Technik beim Play-back. Wir haben trotzdem unseren Spaß an den zarten Frauenstimmen der Nonnen. Unsere „Shantys" revanchieren sich mit den schönsten Stimmungssongs, zur allgemeinen Belustigung stellt Mario bei seinem Solo den Kellnerinnen nach, dazwischen deutsch-deutsche Kommunikation.
05. Oktober 2004
7.00 Uhr wir verlassen Ottawa, erleben einen noch nie gesehenen Sonnenaufgang: glutroter Horizont und von der Sonne, die noch nicht zu sehen ist, geht ein hellroter ziemlich breiter Strahl gerade hoch in den Himmel. Frühstück am Goldenen See, der noch keiner ist, weil die Sonne noch nicht den Stand hat, warten können wir nicht, wir müssen weiter. Vorbei an Strichfarmen, die Felder beginnen hinter dem Hof, sind auch nicht breiter aber unheimlich lang, oft gehen sie auf der anderen Straßenseite weiter. Wir fahren durch ein Indianer- Reservat mit Armut, Hoffnungslosigkeit? Auf alle Fälle Anderssein, anders als die Vorfahren, anders als die Kanadier, die Einwanderer. Sind sie noch sie selbst? Warum? Dann bricht der Indian-Summer über uns herein. Umstritten der Platz auf der Beifahrerseite. Jeder möchte so viel, als möglich von dem berauschenden Rot auf Film, Speicherkarte oder Video bannen. Der Wald leuchtet in allen Schattierungen von Rot. Schwer zu erklären, für den der es nicht gesehen hat. Kitschig wirkende Postkarten geben ein reales Bild. Im Besucherzentrum des Algonquin-Parkes machen wir halt, bewundern die Natur und die Ausstellung über die hist. Entwicklung Kanadas. Weiterfahrt zum Wolfszentrum im Haliburton Forest. 8 Wölfe leben hier unter natürlichen Bedingungen in einem 8 ha großen Freigehege ohne Gewöhnung an den Menschen. Sehr gut zu beobachten die Hierarchie im Wolfsrudel. Nur der alpha-Wolf und die alpha-Wölfin zeugen Nachwuchs. In Orillia große Aufsteller an der Hoteleinfahrt" Herzlich Willkommen Shanty- Chor Sassnitz". Zum Abendbrot lassen wir uns gern verwöhnen. Gegrillter Lachs, hmm.
06. Oktober 2004
Heute steht ein Ausflug nach Midland am Huronen-See auf dem Programm. Mit einem Schulbus in die Jesuiten und Indianer- Siedlung St. Marien Rundgang, leider viel kürzer als das Interesse, wir müssen zur Kathedrale zum Martyrs-Shrine, dem einzigen Heiligtum Kanadas, 3 Lieder zum Gottesdienst, der Priester bedankt sich in seiner Ansprache bei uns, Beifall, ein Novum für uns. Genaueste Besichtigung des Schulbusses, mit Absperrbalken parallel zum Gehweg - verhindert den toten Winkel vor dem Bus, ausklappbarem Stoppschild auf der Fahrerseite - bringt die Fahrzeuge hinter dem Bus und auf der Gegenseite zum Stehen, bis alle Kinder unbesorgt die Straße passiert haben - und die vielen roten Blinkleuchten, die schon von weitem Halt signalisieren. Maximale Sicherheit also für die Kinder, toll. Stadtbummel in Midland, einer typischen Westernstadt. Und Dinge passieren hier, die gibt es gar nicht. Midland ade, wir fahren Richtung Orillia nach etlichen Kilometern, plötzlich Erschrecken bei Elke: Wir haben unsere Getränkekühlbox in Midland auf dem Parkplatz vergessen, fast voll mit Wasser und Bier und als Zugabe die „Kasse des Vertrauens", so 300 bis 500 Dollar schätzen wir. Gähnende Leere auf dem Parkplatz, wir haben es geahnt. Elke und Dietrich gehen auf die Pirsch. Nach einiger Zeit kommen sie zurück, mit der Kiste, Strahlend! „Ja, sie lebt noch, sie lebt noch, sie lebt noch, ja, sie lebt noch mit allem darin!" Am Abend in einer Kirche unser schönstes Konzert gemeinsam mit dem Jubilee Choral Chor Orillia. Beifall und der Funke, der überspringt treiben uns zur Hochform. Wie ein Fanal stehen die Melodien der gemeinsam gesungenen Nationalhymnen im Raum. Anschließend im Hotel gemütliche Runde mit dem Gastgeberchor. Vor dem Konzert Unbehagen bei den Männern: in der Kirche mit Base Cape singen. Bedenken werden aus dem Weg geräumt, „So eng sehen wir das nicht, gehört doch zur Uniform also tretet ihr auch so auf."
07. Oktober 2004
Denise ist wieder da. Seit gestern schätzen wir an ihrem Bus, die Sitze und die Klimaanlage besonders. Es geht zur Muskoka- Seenplatte auf eine Preiselbeerfarm. Der Cranberry-Zug fährt uns durch die Anlagen. Die Ernte ist im vollen Gange. Preiselbeeren wachsen hier in langen flachen Kuhlen. Sind sie reif, werden diese geflutet. Die Beeren lösen sich vom Stiel und schwimmen auf der Wasseroberfläche. Von dort werden sie abgefischt und verarbeitet. Das Wasser wird abgelassen. Nach der Besichtigung, die Verkostung von Heidelbeer- und Preiselbeerwein, einer immer süffiger als der andere. Nur leicht beschwipst geht's weiter zu einer Falknerei, die eine deutsche Familie aus dem Rheinland betreibt. Die Vögel werden trainiert und z. B. auf dem Flughafen Toronto eingesetzt um den Luftraum frei zu halten. Schorsch und Achim werden zu Ehrenhäuptlingen gekürt „ohne Anspruch auf Land und Frauen"
Kurze Pause in Orillia und wir fahren nach Oshawa zum Konzert mit den Loreley Singers. Ein sehr schönes Konzert mit viel Stimmung. Allmählich glaub ich doch, dass wir gut sind. Am meisten bestaunt, dass wir alles ohne Blatt singen. Berufssänger? Kopfschütteln, Lachen bei uns, Kopfschütteln, Ungläubigkeit bei den Fragern. Kofferpacken Ständchen, danke, Orillia, morgen geht es nach Niagara Falls.
08. Oktober 2004
Plötzlich halten wir vor den Niagara Fällen. Ihr Anblick nimmt uns den Atem. Ganz klein und still wirst du angesichts der gewaltigen stürzenden Wasser. Viel Zeit bleibt nicht, sich den Emotionen hinzugeben, uns ruft das Schiff. Serpentine runter, rein in den Fahrstuhl, wieder eine Serpentine, Regenhaut entfalten hineinkriechen im Laufschritt, rauf auf den Kahn. Die"Maid of the Mist" trägt uns erst entlang des amerikanischen Falles. 11500 Liter in der Minute stürzen über die Kante., Regenbogen direkt neben dem Schiff. Hin zum Kanadischen geht es und mitten hinein in die tosende Gischt des Horseshoes. Wasser prasselt auf dich nieder, an der Bruchkante glitzert es wie Eis, keine Bewegung erkennbar- hier, wo du denkst noch einen Meter weiter und du bist verloren, hat 1960 ein siebenjähriger Junge den Sturz überlebt, unfassbar.
Wieder an Land immer noch benommen, fahren wir zum IMAX- Kino. In deinem Sitz kommst du dir vor, wie in einer Hubschrauberkanzel ganz vorn. Der Film erzählt die Legende vom Niagara: Eine junge hübsche Indianerin, die einen alten Mann nicht heiratet, muss den Stamm verlassen, fährt mit ihrem Kanu auf dem Niagara, kommt in die Stromschnellen, stürzt über den Fall, seitdem bewacht sie als guter Geist den Horseshoe. Mit den Einwanderern kommen auch „tollkühne Kerle", der Seiltänzer Blondi überquert mehrmals die Fälle auf einem Drahtseil, der erste Mensch, der sich in einem Fass herunterstürzt, ist eine Frau, Annie Taylor, 63, mit ihrer schwarzen Katze, die unter weiß rauskommt. Nur mit einer Schwimmweste überlebte der siebenjährige Roger Woodward 1960 nach einem Bootsunfall den Fall in die Tiefe, unglaublich. Was es der Gute Geist der Indianerin, der ihn überleben ließ? Nach dieser Geschichte fliegst du mit dem Hubschrauber über die Fälle, immer rasanter wird das Tempo, kurz vor der Bruchkante schließe ich im Schwindel die Augen, rette mich vor dem Absturz. IMAX ist ein atemberaubendes Erlebnis.
Im Sheraton-Hotel direkt über dem kanadischen Fall speisen wir, „wie Gott in Frankreich" oder fürstlich, fahren danach durch die Drosselgasse (klein Las Vegas) zum Hotel. Von dort sind es keine 5 min. zum Skyton-Tower. Aus 236 m genießen wir das nächtliche Farbenspiel im Wasser und das kanadisch-amerikanische Lichtermeer, der durch den Fluss geteilten Stadt ohne Grenzen. Später kommen wir zur Ruhe.
09. Oktober 2004
Entlang des Niagara Flusses geht es in Richtung Niagara on the Lake, die älteste Hauptstadt Kanadas. Unterwegs Fotostopp im Botanischen Garten an der Blumenuhr mit dem Big Ben-Klang. Halt am Whirlpool, einem felsigen scharfen Knick im Fluss, da kocht das Wasser. Eine offene Gondel, die dicht über der Suppe schwebt, sorgt für den ultimativen Kick, bei uns nicht, wie haben keine Zeit dafür, den meisten hätten es dafür wohl auch an „Vertrauen" gefehlt, wir fahren weiter.
Gemütlich über die Hauptstraße von Niagara an the Lake schlendern, die vielen üppigen Blumen vor den Geschäften und am Straßenrand bewundern, in den kleinen Läden schnökern und nun doch schon mit der Schwierigkeit kämpfend, für alle Eindrücke noch einen Platz im Kopf zu finden, so verbringen wir die Stunden bis zur Rückfahrt ins Hotel. Am Nachmittag Freizeit, Kassensturz, letzte Souvenirs kaufen, Katharina sucht immer noch einen Truck, noch mal auf den Turm, die Niagara Fälle von oben bei Tag, den Anblick tief einsaugen, damit der sich für immer festsetzt.
Am Abend Fahrt zum Oktoberfest im Rheingold Club. Die meisten Gäste verstehen kein Deutsch, sind gekommen zum Erzählen, Essen, Trinken und Tanzen, zeigen wenig Interesse für deutsche Shanty-Sänger. Den Abend retten unsere Männer, in dem sie zeigen, dass sie nicht nur Erfolge verkraften, so wird dann das Tanzbein geschwungen, der Abend klingt fröhlich aus.
Im Hotel Koffer packen, nicht ganz ohne Aufregung, sortieren, was geht ins Fluggepäck, was in den Koffer. Schlüssel in die Flugtasche aber bloß nicht Messer, Nagelfeile, Scheren, sonst musst du auspacken, Geschenke gut verstaut, ist nun auch an alle gedacht und für jeden etwas dabei, die Mitbringsel unterscheiden sich, wie anfangs die Anzahl der Dollars in den Safebags, aber ganz sicher hat jeder von uns Anstecker - kleine rote Ahornblätter, Kanadafähnchen, Vereinsabzeichen der Gastchöre - Maplesirup (Ahornsirup), Postkarten und nicht wenige „Whisky for my Jonny" im Gepäck.
10. Oktober 2004
Unser unweigerlich letzter Tag in Kanada.
Auf dem Weg nach Toronto ein Stau, Unfall, wir verlieren Zeit, gewinnen aber interessante Einsichten in das Stauverhalten der Kanadier, findige Fahrer weichen zur Weiterfahrt auf den Standstreifen aus, erst einer, dann noch einer, als der Standstreifen auch dicht ist, geht es munter über den „Sturzacker" daneben weiter, einen ganz Eiligen erwischt die Polizei zu guter Letzt doch noch. „Das wird teuer!" Kommentiert Dietrich. In Toronto bleibt noch Zeit für einen Besuch in China-Town, es ist Einkaufssonntag. Wir treiben mit dem Strom von Stand zu Stand durch alle Gerüche. Früchte, die wir noch nie gesehen haben, Weintrauben, so groß, wie Pflaumen. Vorsicht! Eine große Krabbe hat sich aus dem Korb davon gemacht, vergebens, sie muss zurück. Der Duft seltener Gewürze reizt unsere Magenwände, die richtige Vorbereitung für unser letztes Mittagessen.
Das sich drehende Restaurant, im CN-Tower, dem höchsten Turm der Welt, ist nicht zu toppen. 306 m über der Stadt. Unser Dinner dauert zwei Umdrehungen. Ein fantastischer Blick über Toronto, dem Ontario - See bis hin zur Niagara- Mündung. Irgendwann hast du das Gefühl, die Hochhäuser strengen sich an, einen Blick auf deinen Teller zu erhaschen. Den Rundgang auf der Plattform aus Panzerglas verkneif ich mir, will ja schließlich noch fliegen. Die wirklich allerletzten Souvenirs werden gekauft, Hoffnung für Katharina zu ihren 4 Schulbussen doch noch einen Truck zu finden, dann geht es zum Flughafen.
Abschied nehmen, zuerst von Denise, später von Elke, John und Dietrich, die uns bis zum Übergang begleiten. Dietrich bringt es auf den Punkt: "Ihr kamt als Fremde und geht als Freunde, dat find ik toll!" Noch mal drücken und danke und noch mal...
Im Airbus Erschrecken - Fluch der bösen Taten- ich brauche eine Gurtverlängerung. Wir fliegen der Heimat entgegen, wieder Händewaschen, Essen. Kurti zu Leni: „ Nee, nu sitten wir hier und drinken Kaffee öwer Labrador, dat wi dit noch beläwen , nee- Hat die Singerie doch wat inbröcht!" Film, Musik, Schlafen. Im Dahindämmern zaghafte Pläne für notwendige Diät. Irgendwann geben wir die geborgten 6 Stunden zurück und landen am 11. Oktober um 8.25 Uhr in Frankfurt, während Gerhard, Elke und John, Denise und unser Dietrich sich im Schlaf umdrehen. Vielleicht träumen sie davon, wie sie unseren Traum wahr werden ließen.
Gisela Bunge