
Diplomatenjagd am Gendarmenmarkt in Berlin
am 15. Mai 2010 um 16.00 Uhr
Ein halbes Jahr intensive Chorarbeit, eine gründlich verpatzte Generalprobe - beste Voraussetzungen also für ein erfolgreiches Konzert.
So machten wir uns am Sonnabend früh frohen Mutes auf den Weg nach Berlin. Nicht einmal der Regen konnte uns abschrecken. Im City-Hostel, einem Mix aus Jugendherberge und Hotel und sehr international, Check-in, umziehen und los zum Französischen Dom. Nicht in den Hauptdom, aber der Querflügel mit 350 Plätzen tut es auch. Als wir die ersten Töne in der Stellprobe ansingen, erwischt es uns eiskalt. Wir hören uns nicht, es klappert und statt wohltönende Lieder erfüllt ein Gewaber von Ton und Wort, von Hall und Widerhall unser Ohr. Aber Chorchefin Ramona lässt keine Panik aufkommen, strahlt Ruhe aus, gibt uns Sicherheit. „Die Halle ist ausverkauft. Geben wir unser Bestes! Konzentration, Blickkontakt und überdeutliche Aussprache, Leute, so wird es was! Und strahlen, habt Freude!“ So schwört uns Ramona nach dem Einsingen auf das Konzert ein.
Das Eröffnungslied singen wir gemeinsam mit unserem Gastgeberchor Concordia Berlin. Na bitte, geht doch! Jetzt bei gefülltem Raum ist der Klang auch da. Ein Versprecher von Judit, unserer Ansagerin, löst Chorgelächter aus. Wir sind auf Betriebstemperatur. Nach dem dritten Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ haben wir die Herzen der Berliner erobert. Jetzt läuft es wie am Schnürchen, klassisch, international, heiter und besinnlich, hoch- und plattdeutsch. Das Premieren-Lied „Diplomatenjagd“ mit „Oberjäger Schorsch“ ruft große Heiterkeit bei den Zuhörern hervor. Und Tanzmeister Kurti heizt dem Publikum beim „Konterdänzchen“ so richtig ein.
Der Schlussapplaus und Zugabe-Rufe bestätigen es. Es war ein tolles Konzert. Wir haben bei den kulturverwöhnten Hauptstädtern bestanden. Lob und Anerkennung erhalten wir auch von den Concordia-Sängern, die ihren Teil des Konzertes vorwiegend mit Operettenmelodien bestreiten. Eine gute Grundlage für eine fröhlich ausgelassene Stimmung beim gemeinsamen Abendessen beider Chöre. Gesang, Tanz und Spaß folgen, bis der neue Tag beginnt.
Am nächsten Tag folgt nach dem Check-out eine kleine Stadtrundfahrt - Potsdamer Platz, rund ums Regierungsviertel, zum Alex und wieder zurück.
Nachmittags folgen wir einer persönlichen Einladung unserer Bundeskanzlerin zur Führung durch das Paul-Löbe- und das Jakob-Kaiser-Haus, staunen über architektonische und ökologische Meisterleistungen, sitzen im Plenarsaal - Abgeordnetenfeeling kommt nicht auf - wandeln durch die Kuppel des Reichstages und lassen unsere Blicke über das sonnenbestrahlte alte neue Berlin schweifen.
Auf der Heimfahrt dann gesteht uns Ramona: „Als ihr in der Probe die ersten Töne gesungen habt, hat mich das kalte Grauen gepackt. Ich hoffe, ihr habt es nicht bemerkt.“
Haben wir nicht Ramona und vielen Dank für deine Ruhe, den Optimismus und dein tolles Dirigat.
Vielen Dank auch dir Eddi für die Organisation und das Erlebnis Bundestag und Berlin.
Gisela Bunge
18.5.2010
